Brauchtum-Fasnacht     

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Röllelibutzen Brauchtum

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Röllelibutzen in Altstätten

 

 

Altstätten im St.Galler Rheintal gehört zu jenen Ortschaften in der Schweiz, wo die Fasnacht bei der Bevölkerung tief verwurzelt ist. Das ursprüngliche Maskenbrauchtum ist lebendig geblieben und nimmt zwischen dem Schmutzigen Donnerstag und dem Fasnachtsdienstag einen hohen Stellenwert ein. Im Mittelpunkt stehen die prachtvollen und in ihrer Aufmachung einzigartigen Röllelibutzen, die zu ihren Umzüge jeweils tausende von Zuschauern anlocken.

Die weit über die Region hinaus bekannten Masken ergeben vor allem mit ihrem Kopfputz aus Glasperlen, Strass, Federn, Blumen und den farbigen Bändern, ein imposantes Bild. In ihrer Erscheinungsform erinnern die Röllelibutzen entfernt an die schönen Perchten im Tirol oder an die Silvesterchläuse aus Urnäsch. Feine Drahtlarven verbergen die Gesichter. Zur Ausrüstung gehören eine schwarze Jacke, ein blütenweisses Heimd und ebenfalls weisse Hosen, die in blitzblanken Stiefeln stecken. Die über die Brust gekreuzt getragenen grün-weissen und schwarz-gelb-roten Schärpen erinnern an die Kantons- und Stadtfarben im Wappen.

 

 

 

 

Schellen und Wasserspritze

Typisch für den Röllelibutz ist der breite Schellengurt, der beim Hüpfen und Springen hell erklingt. Die Rollen, aber auch das Betätigen der grossen Wasserspritzen, mit den die Zuschauer ins Visier genommen werden, sind Fruchtbarkeitsrituale, die auf die uralte Tradition hinweisen. In der Tat wird die Altstätter Fasnacht schon im 16. Jahrhundert urkundlich erwähnt, als Klagen gegen die Mummerei und das Butzenwerk von protestantischer Seite laut wurden. Die Röllelibutzen liessen sich aber nie unterkriegen, fanden aber erst Anerkennung als sie sich 1870 organisierten und geregelte Auftritte durchführten. Offiziell aus der Taufe gehoben wurde der Verein 1919, womit 2019 das hundertjährige Jubiläum ansteht.

Polonaise als Höhepunkt

Im Anschluss an die bunten Umzüge am Fasnachtssonntag und am Dienstag vor dem Aschermittwoch verfolgen zahlreiche Leute auf der Breite, einem historischen Stadt- und Marktplatz, die festliche und farbenfrohe Polonaise, die an beiden Abenden im Schein von bengalischer Beleuchtung wiederholt wird. Wenn die stattliche Narrenschar mit ihren Ehrendamen ihre Darbietungen zeigen, ergibt sich ein würdevolles, etwas steifes Zermoniell. Das Schreckhafte mancher Maskenfiguren ist bei den Röllelibutzen dem Prachtvollen gewichen. Die Reigen zählen zu den Höhepunkten der Strassenfasnacht in Altstätten.

 

 

Im Kostüm der Röllelibutzen stecken ausschliesslich junge Burschen und Männer. Auch beim Nachwuchs bleibt der Brauch der männlichen Jugend vorbehalten. Ihren ersten Auftritt hat die Jungmannschaft jeweils bereits am Schmutzigen Donnerstag beim Kinderumzug. Dabei stehen die "kleinen" Röllelibutzen ihren älteren Vorbildern in nichts nach: gerne und fröhlich machen sie Gebrauch von ihren Wasserspritzen und präsentieren ihrerseits eine Polonaise. Einziger Unterschied beim Nachwuchs: die jungen Gesichter sind noch nicht vermummt.

Populäre Strassenfasnacht

 Zum Gefolge der Röllelibutzen gehören in Altstätten die Blaternbutzen, welche an einer Schnur Schweinsblasen schwingen und sich damit Respekt verschaffen. Ungestüm drängen sie an der Spitze des Umzuges die Zuschauer zurück und machen Platz für das weitere Narrenvolk. Auch diese Narrenfigur kann als Ausläufer altheidnischen Fruchtbarkeitszaubers gedeutet werden.

 Die traditionellen Maskentypen werden in Altstätten ergänzt durch Einscheller, Hexen und einen Perchtenverein. Nicht missen möchte man die Guggenmusiken, die vor allem dem "Tschätteri"-Umzug vom Fasnachtssamstagabend das Gepräge geben. Gegen 30 Guggen und Brauchtumsgruppen verwandeln das Marktstädtchen in einen regelrechten Hexenkessel. Auf den Strassen und Plätzen, in den Festzelten und Lokalen, dauert das närrische Treiben bis in die frühen Morgenstunden an. Wie an anderen Orten auch, kann sich die Altstätter Strassenfasnacht nicht über Zulauf beklagen. Vor allem in den letzten 20 Jahren hat sich die fünfte Jahreszeit enorm entwickelt.

 

 

 

Bilder und Text: Peter Burgunder

Mehr über die Röllelibutzen: www.roellelibutzen.ch

 

 

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Stand: Dezember 2011