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Faust & Mephisto
Zu einer ernstgemeinten Narrenschrift mit
psychologischer Analyse betitelt das neueste Werk von Martin Sieber sein
neues Buch über:
Ein Dialog zwischen einem
Nichtfasnächtler (Faust) und einem eingefleischten Fasnächtler
(Mephisto), die zusammen verschiedenen Fasnachtsplätze der Schweiz
besuchen und dabei Fragen rund um die Fasnacht aufwerfen.

Autor (links) mit dem Verleger C.F.
Portmann (rechts)
Seit dem 13. Jahrhundert übertrug sich der Begriff
"Fastnacht" auch auf die Tage vor dem Aschermittwoch, den Schmutzigen
Donnerstag, Samstag und Sonntag (Estomihi, 7. Sonntag vor Ostern;
Herrenfasnacht oder Pfaffenfasnacht) wie auch den Sonntag (Invocabit, 6.
Sonntag vor Ostern) nach dem Aschermittwoch (alte Fasnacht oder
Bauernfasnacht).
Hier in der Schweiz finden wir eine grosse Vielfalt
von Fasnachtsformen. Wenn wir nur die Fasnachtsgewohntheiten unserer
grossen Schweizer Städte betrachten, so finden wir schon hier eine
grosse Vielfalt an Musik, Brauchtum und Masken. Jede dieser Arten ist
eine von alter Tradition hergebrachten Volksbrauch, die aus den gleichen
Ursprung hervor gekommen sind. Wenn man nun auch die Musik anspricht, so
unterscheidet sich Basel und Luzern oder Zürich ganz gewaltig von
einander.
Die Guggenmusik die heutzutage sicherlich eine
dominierende Führung hat und bei unseren traditionellen Umzügen kaum
mehr wegzudenken ist, kommt ja ursprünglich aus Basel. So kann man aus
Zeitungsbelegen nachlesen, dass bereits um 1890 herum eine
Tschättere-Musig mit alten und verbeulten Instrumenten an
Fasnachtsumzügen mitspielten. Auch der Name Gugge könnte man von Tüten
ableiten, die man in Basel eben Gugge bezeichnet. Doch als die Basler
nach dem 2. Weltkrieg an Luzerner Fasnachtsumzügen mitspielten, änderte
es sich schlagartig. Danach grassierte in der Schweiz ein richtig
gehendes Guggenfieber, eben jenes Fieber, das Martin Sieber so schön in
seinem neuen Buch darstellt und selbst ein aktiver Fasnächtler ist.
Aber auch die Züricher hatten 1838 bereits ihren
ersten Theater-Maskenball organisiert. In dieser Zeit feierte der Wiener
Walzer grosse Triumphe und 1882 nahmen gegen 600 Personen am
Tonhalle-Ball teil, eine stattliche Anzahl für die damalige Grösse der
Stadt. Billette wurden aber nur an Personen abgegeben, die den
Organisatoren bekannt waren.
In den Zwanzigerjahren
schien eine eigentliche Fasnachtseuphorie die Zürcher ergriffen zu
haben. Auf den Strassen und in den Wirtschaften herrschte Hochbetrieb.
1921 waren 89 Maskenbälle, 249 Familien-, Tanz- und Bockabende zu
verzeichnen. Noch aber war die Fasnacht in Zürich keine
Selbstverständlichkeit. Sie hatte immer wieder um ihre
Existenzberechtigung zu kämpfen. Mit Zuschriften und Flugblättern
versuchten der Sittlichkeit wegen besorgte Kreise auf die Behörden
einzuwirken, um die Fasnacht mit Verboten zu belegen. Dazu gehörte der
Zürcherische Frauenbund und die Kirchensynode mit ihrer Eingabe von 1922
an den Regierungsrat. Noch im selben Jahr wurde die
Fasnachts-Gesellschaft-Zürich (FGZ) gegründet, um dem früher oft
ausgearteten Zürcher Fasnachtstreiben ein geordnetes und einheitliches
Gepräge zu geben. In den Dreissigerjahren liess dann aber in Zürich die
Fasnachtsbegeisterung nach. Witschaftliche und politische Krisen taten
ihre Wirkung. 1932 hatte der letzte Umzug des FGZ stattgefunden. Nachher
fehlten die Finanzen und wohl auch die Lust dazu, irgend etwas zu
unternehmen. Zwar fanden immer noch einige traditionelle Bälle statt, zu
denen 1934 der Künstlermaskenball gestossen ist. Aber der alte Schwung
war dahin und die Kriegsjahre bewirkten ohnehin einen Unterbruch. Von
der eigentlichen Zürcher Fasnacht, einst Inbegriff einer Grossen,
Hochstehender Fasnacht, ist heute vom Zürcher Fasnachtskomitee (FGZ)
nichts mehr zu vernehmen. Stattdessen versuchen nun die vereinigten
Guggenmusiker die einst stolze Tradition mit grossen Anstrengungen
wieder neu zu beleben.
Giige-Guuge: The Gentle Art of fine
Gugge Music!
Aber auch bei Guggen gibt es ein kommen und gehen,
doch, die an diesem Abend anwesende Giige-Gugge feiert bereist ihr 30
jähriges Bestehen:
„The fine gentle Art of Gugge Music“
brachte eine sehr gepflegtes Musikprogramm im
Gegensatz zu vielen jungen Guggen: Je lauter und schriller, desto
besser! Aber an Fasnachts-Umzügen sind diese schillernden Figuren und
Tönen nicht mehr weg zu denken und so hat sich der alte Brauch vom
vertreiben des Winters mit viel Lärm doch sehr gut erhalten.
Zum Abschluss ging Martin Sieber auch der Frage
nach: Fasnächtler als Last oder Plage? Prävention eines Fasnachtsvirus
oder Fasnächtler als Bereicherung? Wohlgemeinte Ratschläge an
Fasnächtler, die Sie in seinem neuerschienen Buch nachlesen können,
verbunden mit über 40 Seiten der schönsten und schrägsten farbigen
Masken.
Das Buch ist erhältlich bei:
www.cfportmann.ch
C.F.
Portmann Verlag info at
cfportmann.ch
GIIGE GUGGE ZÜRI
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