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Silvesterchlausen

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Die Silvesterkläuse von Urnäsch

 

Im ausserrhodischen Urnäsch feiern die Appenzeller im Hinterland, vor allem aber im Urnäscher Tal, am 13.Januar ihren alten Silvester. Eine Ausnahme: wenn dieses Datum auf einen Sonntag fällt, wird der Silvesterbrauch um einen Tag vorgezogen.

 

Das Datum des alten Silvesters geht auf einen Kalenderstreit zurück, 1582, als Papst Gregor XIII. den von Julius Cäsar eingeführten Kalender reformierte, erhitzen sich die Gemüter. Die protestantischen Appenzell Ausserrhoder wollten sich nicht von einem Papst befehlen lassen, wann sie ihre Feste zu feiern hätten. Sie machten das Beste aus ihrem Widerstand gegen den neuen Kalender: Sie feiern zweimal Silvester.

 

Die Pfarrherren waren bis in den sechziger Jahre nicht glücklich über das oft wüste Treiben der Silvesterkläuse. Besonders die derben Spasskläuse, die in den Säcken oder Lumpen auftraten, benahmen sich sehr unzivilisiert.

Lange bevor es dämmert. machen sich die ersten Klausgruppen auf den Weg. Ihre Rollen und Schellen verraten, wo sie sich aufhalten. Je später der Morgen, desto mehr Schaulustige begleiten sie. Gegen 11 Uhr komme die Kläuse ins Tal hinunter, um die Bewohner bis am Abend mit ihrem Klaustreiben zu erfreuen. Später trifft man die Klausgruppen in den überfüllten Urnäscher Gaststätten, wo sie bis weit nach Mitternacht feiern.

Silvesterchlausen im Appenzeller Hinterland: In Urnäsch ist zweimal Silvester



Bezaubernde Winterbräuche gibt es an manchen Orten in der Schweiz, aber an Schönheit und Spektakel kaum zu übertreffen ist das Silvesterchlausen im Appenzeller Hinterland. Während man sich in Herisau, Hundwil, Stein, Teufen und Schönengrund mit Auftritten am 31. Dezember begnügt, wird in Urnäsch, Waldstatt und Schwellbrunn am 13. Januar ein zweites Mal Silvester gefeiert. Am sogenannten "Alten Silvester" ist vor allem Urnäsch das Ziel zahlreicher Zuschauer aus nah und fern, welche diese Tradition live miterleben wollen. Die Stimmung ist fast märchenhaft, wenn wieder ein Schuppel (Gruppe) Silvesterchläuse wie Wesen aus einer anderen Welt auftauchen.
 

 

Die wild und urtümlich wirkenden Maskengestalten - meistens gehören einer Gruppe 7 Chläuse an - ziehen in Urnäsch von Haus zu Haus, stellen sich in einem Kreis auf, schellen und rollen in grosser Lautstärke und stimmen anschliessend ein Zäuerli an, einen fein abgestimmten Naturjodel. Dreimal wiederholt sich die Prozedur, dann wünschen die farbenprächtigen Gestalten der besuchten Familie ein gutes neues Jahr, um sich dann lautstark zu verabschieden und das nächste Ziel anzusteuern.

In Urnäsch sind am 13. Januar bis zu 150 Chläuse unterwegs, die man in der weit verzweigten Gemeinde aber nie zusammen antrifft. Man unterscheidet zwischen drei verschiedenen Arten: die wüsten, die schönen und die Wald- und Naturchläuse.


Zu den schönen gehören die Schellenchläuse im Männergewand mit zwei riesigen Schellen auf Rücken und Brust. Anführerin und Schlusspunkt eines Schuppels bilden die beiden Rollenweiber, unter deren Rock aber ausschliesslich Männer oder Burschen stecken. Sie tragen dreizehn über die Schultern gehängte Rollen mit sich. Ihre Gesichter sind unter porzellanfarbenen Masken verborgen. Das Prunkstück sind ihre mächtigen, filigranartig verzierten Kopfhauben, auf den ganze Szenen aus dem Alltagsleben en miniature dargestellt sind.


 

Unheimlich muten dagegen die wüsten Chläuse an, deren furchterregenden Masken mit Schweine- und Rinderzähnen, Knochen und anderen Naturmaterialien besetzt sind. Ihr Gewand ist struppig und rauh, aus Stechlaub, Tannenreisig oder anderem Gestrüpp zusammen- gesetzt. Erst in den 1960-er Jahren hat sich noch eine dritte Gruppe herausgebildet, nämlich die Wald- und Naturchläuse, deren Mäntel kunstvoll mit Moos, Tannzapfen, Blätterwerk oder Schneckenhäusern, verziert. Ihre Gesichter verhüllen sie mit Braumrinde oder Flechten.



Dass die Chläuse heute vor allem in Urnäsch am Alten Silvester ein zweites Mal in Erscheinung treten, geht auf einen alten Kalenderstreit zurück. Die protestantischen Ausserrhoder wollten sich lange nicht dem Gebot von Papst Gregor XIII, unterwerfen, der 1582 die Kalenderreform einführte. So feiern sie noch heute, trotz längstens revidierter Zeitrechnung, ihren Silvester nach dem Julianischen Kalender. Am 13. Januar ist Urnäsch deshalb das Ziel zahlreicher Tages-Touristen, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen.  In den Morgenstunden besuchen die Masken eher Aussengehöfte, ab dem Nachmittag sind die Chlaus-Schuppel auch in den Dorfteilen zu sehen und am Abend werden auch die randvollen Restaurants aufgesucht.

 

Bericht: Peter Burgunder

 

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Stand: 07.06.10