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Die
ersten Guggemusiken kommen direkt aus Basel!
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Unsere Gugge-Musik
Wenn man nach dem Ursprung der Guggemusik forscht, muss man in
der Schweiz, genauer in Basel, suchen. Schon im vorigen
Jahrhundert traten dort Gruppen unter dem Namen Tschäter- oder
Katzenmusik auf. Diese älteren Begriffe wurden später abgelöst
durch das Wort Guggenmusik. In einem Buch aus der Schweiz, von
1885, werden folgende Deutungen aufgeführt:
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Guggi - schlechtes Blasinstrument
·
Guggen - tuten, schlecht blasen
·
Gugger - schlechter Trompeter
Die Guggenmusik präsentiert in ihrer Form ein Stück
Narrenfreiheit innerhalb der festprogrammierten Fasnacht.
Je organisierter die Fasnacht, umso stärker regte sich auf der
anderen Seite der Wunsch, der Tradition ein dosiertes Stück
Chaos entgegenzusetzen.
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Erste Guggen bereits um 1900
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Für die Zeit um die Jahrhundertwende darf die Existenz von
Guggenmusiken als sicher angenommen werden, wenn wir
beispielsweise 1902 vernehmen, dass die "Wasserwerkler-Musik" am
Mittwochnachmittag "grosse Heiterkeit" erzeugte und im Jahr
danach eine "Tiroler Damenkapelle" und weitere "kostümierte
Musikabteilungen fleissig ihre lustigen Weisen ertönen liessen".
Das Wort "Guggenmusik" begegnet uns das erste Mal 1906 im
"Verzeichnis der Fastnachtszüge" neben zehn anderen Musiken:
Eine "Guggenmusik" spielte als Sujet die Deutschlandreise der
"verkrachten" Stadtmusik Concordia aus. Ob sich hinter der
Gruppenbezeichnung "Krachauers" auf derselben Liste eine weitere
Guggenmusik versteckt, konnten wir nicht herausfinden. Zum
Mittwoch-Morgenstreich wurde übrigens in der Presse gemeldet:
"An neuen Zügen traten, so viel wir bemerken konnten, eine
originelle Katzenmusik auf und ein nicht minder origineller
Mandolinenklub". 1907 sah der Berichterstatter am Morgenstreich
"einen Trupp Bremer Stadtmusikanten, die auf ihren Instrumenten
ein Geräusch erzeugten, das 'Stein erweichen, Menschen rasend
machen kann'...". Vom Montag-nachmittag wird dann gemeldet: "Von
den einzelnen Wagen, welche durch die Strassen zogen, riefen
besondere Heiterkeit hervor die 'Saharet' der Guggenmusik"; ihr
Fasnachtszettel hat sich erhalten. Beim Umzug vom
Mittwochnachmittag ist ausserdem von einer "Trost-Clique" die
Rede, einem Musikkorps in Trauerkleidung, welche das Fernbleiben
der Basler Musikvereine ausspielte, die wegen der offensichtlich
nicht übergrossen Subvention nicht mitzumachen gewillt waren.
Die Clique spielte den Trauermarsch von Chopin "grotesk". Am
Morgenstreich 1908 "lässt eine Blechmusik ihre zum Himmel
schreienden Weisen erschallen und kaum fünf Schritte weiter
lässt es einem die richtige 'Tschinnerättemusik' durch Mark und
Bein fahren". Zwischen 1911 und 1914 nahm regelmässig die "Alt-Guggenmusik
Horburg" an den vom Comite (gegr. 1910) organisierten und
subventionierten Umzügen teil. Diese Guggenmusik setzte sich
möglicherweise aus Mitgliedern des Musikvereins Horburg
(Industriequartier in Kleinbasel) zusammen. Für 1913 entnehmen
wir dem offiziellen Führer des Fasnachts-Comites, dass auch eine
weitere Guggenmusik mit dem Sujet "Waggismusik" gemeldet war. An
die Beteiligung von Guggenmusiken am Morgenstreich von 1914, dem
letzten für mehrere Jahre, kann sich ein alter Fasnächtler noch
gut erinnern: "D Melody hesch miesse verroote". |
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Fasnächtliches und Unfasnächtliches |
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| In
den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg sind Guggenmusiken zwar
bald wieder unterwegs, doch offensichtlich eher am Morgenstreich
und an den Abenden. Von "Unbaslerischem am Morgenstreich" lesen
wir 1923 im "Briefkasten des Publikums": "In den Restaurationen
der innern Stadt trieb sich eine richtige 'Guggenmusik' herum,
die da und dort ein Stücklein spielte und dann mit dem Hut
einsammeln ging", was der Einsender als"Unzeug" betrachtete und
zu "energischem Protest" veranlasste. Aber mit den Musiken am
Morgenstreich war es nicht mehr grossartig bestellt. Obwohl noch
im Vorjahr "einige kleinere 'Guggenmusige' den Tumult erhöhten",
schreibt 1931 ein Einsender in den "Basler Nachrichten": "Zu
wünschen wäre auch noch eine Wiederbelebung des Morgenstreichs
durch Musikkorps, wie auch dies noch vor dem Kriege der Fall
war. Es brauchen gar keine richtigen Musikkorps zu sein, einige
wenige wirkliche Instrumente genügen, das übrige wird durch Lärm
und Rhythmus ersetzt und erzielt vollkommen die gewünschte
Wirkung. Solche Gruppen und Grüpplein würden den ganzen Betrieb
günstig beeinflussen. Das Fasnachtscomite des Quodlibet
unterstützte denn auch speziell solch belebende Gruppen am
Morgenstreich, wenn auch meistens nur in 'Natura', was aber doch
willkommen war". 1934 meldet dann ein Journalist vom
Morgenstreich: "... da rasselte rücklings, nach alter Väter
Sitte auf dem Trottoir, die erste Guggemusik mit ohrenbetörendem
Getschätter vorbei. Das gibt es also wieder? Bravo!" Auch in den
folgenden noch bis zum Kriegsausbruch verbleibenden Jahren
begegnen wir ständig Erwähnungen von Guggenmusiken (allerdings
mit wechselnden Bezeichnungen), die "mit schmetterndem Getöse
nahen", "bäumig schränzen" und "vorüber rasseln". Doch die
Guggenmusiken, unter den durchschnittlich acht zwischen 1911 und
1939 subventionierten Musikgruppen sicher die Minderheit,
sorgten für Veränderung des fasnächtlichen Musik-Geschmacks:
"Könnte nicht auch die musikalische Belebung der Banden
baslerischer und fasnächtlicher um- und ausgestaltet werden? Der
Aufmachung einzelner Musikgruppen fehlte am gestrigen Nachmittag
auch wirklich jeder Hauch fasnächtlichen Geistes! Sollte die
Anpassung tatsächlich so schwierig sein? Wir glauben nicht.
Sicherlich dürfen die Musikgruppen in Zukunft nicht mehr solche
Fremdkörper im Bild unseres Fasnachtsbildes darstellen, wie dies
gestern teilweise der Fall war". Damit waren selbstverständlich
jene Musikvereine gemeint, die nach Noten spielten und - wie
Photos der dreissiger Jahre zeigen - auch von der Kostümierung
her nicht besonders originell die Umzugsroute abschritten. Statt
sich nach obigem Wunsch fasnächtlicher zu geben, distanzierten
sich die Musikvereine von einer Teilnahme an der Fasnacht, weil
"die Guggenmusiken immer mehr überhand nahmen". |
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Und 1946 geht es dann los |
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Auch an den "Konservenfasnachten" 1940-1945 (ohne
Strassenfasnacht) waren die Guggenmusiken zu hören - allerdings
bloss in geschlossenen Räumen, in Wirtschaften, an Bällen und
auch am "Monstre-Trommel-Konzert". Diese seit 1906 bestehende
Vorfasnachtsveranstaltung wurde bereits 1909 durch den Vortrag
einer Blasmusik (Musikverein Amicitia) mitgestaltet, was sich
später (z.B. 1918) wiederholte. Bald nach der Gründung der "Jeisy
Migger-Guggenmuusig" nach der Fasnacht 1926 war auch der
Auftritt dieser Guggenmusik während über 25 Jahren ein fester,
wenn auch nicht im Programm figurierender Bestandteil des "Monstre"
im "Küchlin-Theater". Nur ein einziges Mal - an der ersten
Nachkriegsfasnacht 1946 - machten sie auch an den Umzügen von
Montag und Mittwoch mit. Insgesamt sieben Musikgruppen - nun
alles Guggenmusiken - waren für diese Fasnacht beim Comite
gemeldet. Sie trugen Namen wie "Dreiroserampe-Schränzer-Guggemusig",
"Chnullerifurzguggerabbsi", "Schluch-und Guggemusig Breiti" (auf
einem Auto) und "Studio Neubad-Guggemusig". In den folgenden
Jahren erscheinen immer mehr Guggenmusiken in den Verzeichnissen
des Fasnachts-Comites. Zunächst teilweise noch mit wechselnden
Bezeichnungen wie beispielsweise die "Schotten-Clique" (gegr.
1947), die über "Hirschenegg-Schotte", "Hirschenegg-Clique" und
"Schotteclique Hirschenegg" zu ihrem heutigen Namen fand. Wie
das Guggenmusikwesen in Basel sich seit 1946 entwickelt hat,
zeigen diese wenigen Zahlen, welche nur die beim Comite
gemeldeten Gruppen berücksichtigen:
1946 = 7 / 1956 = 13 / 1966 = 24 / 1976 = 38 1985 = 67 / 1995 =
70 / 1996 = 75 / 1997 = 78 |
Um 1900 die ersten Guggenmusiken
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Wie
wir gesehen haben, sind für Basel Guggenmusiken bereits um 1900
bezeugt. Die Stadt am Rheinknie ist also Ursprungsort der "Guggenmusik-bewegung",
die inzwischen Landes- und Sprachgrenzen überschritten hat.
Allerdings wurden teilweise auch andere Lärmformationen mit der
jüngeren Guggenmusik verschmolzen oder leben in Koexistenz mit
ihr. Es soll hier nicht noch eine Geschichte des
Guggenmusikwesens des ganzen Landes angeregt werden. Immerhin
sei darauf hingewiesen, dass z.B. in Luzern, Zürich und
Solothurn direkt und/oder indirekt Basler Guggenmusiken imitiert
wurden. In Luzem, wo 1948 eine Basler Formation am
Fritschi-Umzug teilnahm, wurde noch an der gleichen Fasnacht
eine Gruppe auf Initiative des in Luzern wohnhaften Baslers Sepp
Ebinger gegründet. Diese Musik nahm im Jahr darauf an der
Zürcher Fasnacht teil, wo bereits 1948 durch zwei Basler
Originale, Lucca und Wiesely, eine Guggenmusik improvisiert
worden war. In Solothurn schliesslich, wo eine "Chesslete" schon
lange den Fasnachtsbeginn bildet, liess sich 1949 der Obmann
einer Fasnachtszunft an der Basler Fasnacht inspirieren und
gründete mit den Zunftmitgliedern kurz darauf die erste
Solothurner Guggenmusik. Auch diese und selbstverständlich noch
weitere Orte wurden rasch zu Innovationszentren, vornehmlich für
ihre jeweilige Region. Durch die rege Reisetätigkeit, verbunden
mit der Teilnahme an auswärtigen Fasnachtsveranstaltungen, ist
die Guggenmusik als fasnächtliche Unterhaltungsform längst in
allen umliegenden Staaten bekannt und beliebt und findet sogar
Nachahmung, wie die 1975 in Offenburg gegründete Guggenmusik
beweist. |
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