Brauchtum-Fasnacht     

Home Feedback Inhalt Suchen

Urspung Guggen

Brauchtum Zürich Innerschweiz March-Höfe Ostschweiz Nordschweiz Urspung Guggen 11.11.11.11 Veranstaltungen Bücher Links Brauchtum auf Video

 

Die ersten Guggemusiken kommen direkt aus Basel!

Unsere Gugge-Musik

Wenn man nach dem Ursprung der Guggemusik forscht, muss man in der Schweiz, genauer in Basel, suchen. Schon im vorigen Jahrhundert traten dort Gruppen unter dem Namen Tschäter- oder Katzenmusik auf. Diese älteren Begriffe wurden später abgelöst durch das Wort Guggenmusik. In einem Buch aus der Schweiz, von 1885, werden folgende Deutungen aufgeführt:

·         Guggi - schlechtes Blasinstrument

·         Guggen - tuten, schlecht blasen

·         Gugger - schlechter Trompeter

Die Guggenmusik präsentiert in ihrer Form ein Stück Narrenfreiheit innerhalb der festprogrammierten Fasnacht.
Je organisierter die Fasnacht, umso stärker regte sich auf der anderen Seite der Wunsch, der Tradition ein dosiertes Stück Chaos entgegenzusetzen.  

 

Erste Guggen bereits um 1900

Für die Zeit um die Jahrhundertwende darf die Existenz von Guggenmusiken als sicher angenommen werden, wenn wir beispielsweise 1902 vernehmen, dass die "Wasserwerkler-Musik" am Mittwochnachmittag "grosse Heiterkeit" erzeugte und im Jahr danach eine "Tiroler Damenkapelle" und weitere "kostümierte Musikabteilungen fleissig ihre lustigen Weisen ertönen liessen". Das Wort "Guggenmusik" begegnet uns das erste Mal 1906 im "Verzeichnis der Fastnachtszüge" neben zehn anderen Musiken: Eine "Guggenmusik" spielte als Sujet die Deutschlandreise der "verkrachten" Stadtmusik Concordia aus. Ob sich hinter der Gruppenbezeichnung "Krachauers" auf derselben Liste eine weitere Guggenmusik versteckt, konnten wir nicht herausfinden. Zum Mittwoch-Morgenstreich wurde übrigens in der Presse gemeldet: "An neuen Zügen traten, so viel wir bemerken konnten, eine originelle Katzenmusik auf und ein nicht minder origineller Mandolinenklub". 1907 sah der Berichterstatter am Morgenstreich "einen Trupp Bremer Stadtmusikanten, die auf ihren Instrumenten ein Geräusch erzeugten, das 'Stein erweichen, Menschen rasend machen kann'...". Vom Montag-nachmittag wird dann gemeldet: "Von den einzelnen Wagen, welche durch die Strassen zogen, riefen besondere Heiterkeit hervor die 'Saharet' der Guggenmusik"; ihr Fasnachtszettel hat sich erhalten. Beim Umzug vom Mittwochnachmittag ist ausserdem von einer "Trost-Clique" die Rede, einem Musikkorps in Trauerkleidung, welche das Fernbleiben der Basler Musikvereine ausspielte, die wegen der offensichtlich nicht übergrossen Subvention nicht mitzumachen gewillt waren. Die Clique spielte den Trauermarsch von Chopin "grotesk". Am Morgenstreich 1908 "lässt eine Blechmusik ihre zum Himmel schreienden Weisen erschallen und kaum fünf Schritte weiter lässt es einem die richtige 'Tschinnerättemusik' durch Mark und Bein fahren". Zwischen 1911 und 1914 nahm regelmässig die "Alt-Guggenmusik Horburg" an den vom Comite (gegr. 1910) organisierten und subventionierten Umzügen teil. Diese Guggenmusik setzte sich möglicherweise aus Mitgliedern des Musikvereins Horburg (Industriequartier in Kleinbasel) zusammen. Für 1913 entnehmen wir dem offiziellen Führer des Fasnachts-Comites, dass auch eine weitere Guggenmusik mit dem Sujet "Waggismusik" gemeldet war. An die Beteiligung von Guggenmusiken am Morgenstreich von 1914, dem letzten für mehrere Jahre, kann sich ein alter Fasnächtler noch gut erinnern: "D Melody hesch miesse verroote".
 

Fasnächtliches und Unfasnächtliches

 
In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg sind Guggenmusiken zwar bald wieder unterwegs, doch offensichtlich eher am Morgenstreich und an den Abenden. Von "Unbaslerischem am Morgenstreich" lesen wir 1923 im "Briefkasten des Publikums": "In den Restaurationen der innern Stadt trieb sich eine richtige 'Guggenmusik' herum, die da und dort ein Stücklein spielte und dann mit dem Hut einsammeln ging", was der Einsender als"Unzeug" betrachtete und zu "energischem Protest" veranlasste. Aber mit den Musiken am Morgenstreich war es nicht mehr grossartig bestellt. Obwohl noch im Vorjahr "einige kleinere 'Guggenmusige' den Tumult erhöhten", schreibt 1931 ein Einsender in den "Basler Nachrichten": "Zu wünschen wäre auch noch eine Wiederbelebung des Morgenstreichs durch Musikkorps, wie auch dies noch vor dem Kriege der Fall war. Es brauchen gar keine richtigen Musikkorps zu sein, einige wenige wirkliche Instrumente genügen, das übrige wird durch Lärm und Rhythmus ersetzt und erzielt vollkommen die gewünschte Wirkung. Solche Gruppen und Grüpplein würden den ganzen Betrieb günstig beeinflussen. Das Fasnachtscomite des Quodlibet unterstützte denn auch speziell solch belebende Gruppen am Morgenstreich, wenn auch meistens nur in 'Natura', was aber doch willkommen war". 1934 meldet dann ein Journalist vom Morgenstreich: "... da rasselte rücklings, nach alter Väter Sitte auf dem Trottoir, die erste Guggemusik mit ohrenbetörendem Getschätter vorbei. Das gibt es also wieder? Bravo!" Auch in den folgenden noch bis zum Kriegsausbruch verbleibenden Jahren begegnen wir ständig Erwähnungen von Guggenmusiken (allerdings mit wechselnden Bezeichnungen), die "mit schmetterndem Getöse nahen", "bäumig schränzen" und "vorüber rasseln". Doch die Guggenmusiken, unter den durchschnittlich acht zwischen 1911 und 1939 subventionierten Musikgruppen sicher die Minderheit, sorgten für Veränderung des fasnächtlichen Musik-Geschmacks: "Könnte nicht auch die musikalische Belebung der Banden baslerischer und fasnächtlicher um- und ausgestaltet werden? Der Aufmachung einzelner Musikgruppen fehlte am gestrigen Nachmittag auch wirklich jeder Hauch fasnächtlichen Geistes! Sollte die Anpassung tatsächlich so schwierig sein? Wir glauben nicht. Sicherlich dürfen die Musikgruppen in Zukunft nicht mehr solche Fremdkörper im Bild unseres Fasnachtsbildes darstellen, wie dies gestern teilweise der Fall war". Damit waren selbstverständlich jene Musikvereine gemeint, die nach Noten spielten und - wie Photos der dreissiger Jahre zeigen - auch von der Kostümierung her nicht besonders originell die Umzugsroute abschritten. Statt sich nach obigem Wunsch fasnächtlicher zu geben, distanzierten sich die Musikvereine von einer Teilnahme an der Fasnacht, weil "die Guggenmusiken immer mehr überhand nahmen".
 

Und 1946 geht es dann los

 

Auch an den "Konservenfasnachten" 1940-1945 (ohne Strassenfasnacht) waren die Guggenmusiken zu hören - allerdings bloss in geschlossenen Räumen, in Wirtschaften, an Bällen und auch am "Monstre-Trommel-Konzert". Diese seit 1906 bestehende Vorfasnachtsveranstaltung wurde bereits 1909 durch den Vortrag einer Blasmusik (Musikverein Amicitia) mitgestaltet, was sich später (z.B. 1918) wiederholte. Bald nach der Gründung der "Jeisy Migger-Guggenmuusig" nach der Fasnacht 1926 war auch der Auftritt dieser Guggenmusik während über 25 Jahren ein fester, wenn auch nicht im Programm figurierender Bestandteil des "Monstre" im "Küchlin-Theater". Nur ein einziges Mal - an der ersten Nachkriegsfasnacht 1946 - machten sie auch an den Umzügen von Montag und Mittwoch mit. Insgesamt sieben Musikgruppen - nun alles Guggenmusiken - waren für diese Fasnacht beim Comite gemeldet. Sie trugen Namen wie "Dreiroserampe-Schränzer-Guggemusig", "Chnullerifurzguggerabbsi", "Schluch-und Guggemusig Breiti" (auf einem Auto) und "Studio Neubad-Guggemusig". In den folgenden Jahren erscheinen immer mehr Guggenmusiken in den Verzeichnissen des Fasnachts-Comites. Zunächst teilweise noch mit wechselnden Bezeichnungen wie beispielsweise die "Schotten-Clique" (gegr. 1947), die über "Hirschenegg-Schotte", "Hirschenegg-Clique" und "Schotteclique Hirschenegg" zu ihrem heutigen Namen fand. Wie das Guggenmusikwesen in Basel sich seit 1946 entwickelt hat, zeigen diese wenigen Zahlen, welche nur die beim Comite gemeldeten Gruppen berücksichtigen:

1946 = 7 / 1956 = 13 / 1966 = 24 / 1976 = 38 1985 = 67 / 1995 = 70 / 1996 = 75 / 1997 = 78

Um 1900 die ersten Guggenmusiken 

Wie wir gesehen haben, sind für Basel Guggenmusiken bereits um 1900 bezeugt. Die Stadt am Rheinknie ist also Ursprungsort der "Guggenmusik-bewegung", die inzwischen Landes- und Sprachgrenzen überschritten hat. Allerdings wurden teilweise auch andere Lärmformationen mit der jüngeren Guggenmusik verschmolzen oder leben in Koexistenz mit ihr. Es soll hier nicht noch eine Geschichte des Guggenmusikwesens des ganzen Landes angeregt werden. Immerhin sei darauf hingewiesen, dass z.B. in Luzern, Zürich und Solothurn direkt und/oder indirekt Basler Guggenmusiken imitiert wurden. In Luzem, wo 1948 eine Basler Formation am Fritschi-Umzug teilnahm, wurde noch an der gleichen Fasnacht eine Gruppe auf Initiative des in Luzern wohnhaften Baslers Sepp Ebinger gegründet. Diese Musik nahm im Jahr darauf an der Zürcher Fasnacht teil, wo bereits 1948 durch zwei Basler Originale, Lucca und Wiesely, eine Guggenmusik improvisiert worden war. In Solothurn schliesslich, wo eine "Chesslete" schon lange den Fasnachtsbeginn bildet, liess sich 1949 der Obmann einer Fasnachtszunft an der Basler Fasnacht inspirieren und gründete mit den Zunftmitgliedern kurz darauf die erste Solothurner Guggenmusik. Auch diese und selbstverständlich noch weitere Orte wurden rasch zu Innovationszentren, vornehmlich für ihre jeweilige Region. Durch die rege Reisetätigkeit, verbunden mit der Teilnahme an auswärtigen Fasnachtsveranstaltungen, ist die Guggenmusik als fasnächtliche Unterhaltungsform längst in allen umliegenden Staaten bekannt und beliebt und findet sogar Nachahmung, wie die 1975 in Offenburg gegründete Guggenmusik beweist.

 

 

_____________________

Oldies und Evergreens

__________________

AUVISTO.ch

Die Welt der Töne

__________________

 

Home ]

Copyright © 2010 AUVISTO
Stand: November 2011